Wir sind Courage-Schule!
Fachakademie bekennt sich klar zu Vielfalt und Toleranz
Seit 12. Februar 2026 ist die Johann-Hinrich-Wichern-Fachakademie für Sozialpädagogik Schweinfurt Mitglied des bundesweiten Netzwerkes „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Zuvor hatte sich die Schulgemeinschaft in einem Abstimmungsprozess klar positioniert: Rund 85 Prozent der 269 Beteiligten aus Kollegium und Studierendenschaft votierten für den Beitritt. Damit verbindet die Fachakademie ein verbindliches Selbstverständnis: Diskriminierung, Rassismus und menschenfeindlichen Haltungen wird aktiv entgegengetreten – im Alltag, in Projekten und in der pädagogischen Arbeit.
Aufnahmefeier mit starkem gesellschaftlichem Rückhalt
Die Aufnahmeveranstaltung im Auditorium der Fachakademie wurde von einem breiten gesellschaftlichen Bündnis begleitet und unterstrich die regionale Bedeutung des Themas. Zu den Gästen gehörten Landrat Florian Töpper, die Zweite Bürgermeisterin Sorya Lippert sowie Claudia Federspiel, Integrationsbeauftragte und Leiterin der Stabsstelle Integration der Stadt Schweinfurt.
Als Pate der Fachakademie im Courage-Netzwerk wurde Ralf Hofmann gewählt, der sich in der regionalen Kulturszene vielfältig engagiert – unter anderem im Kunstverein Schweinfurt, bei „KulturPackt“ sowie in der Kulturstiftung der Stadt Schweinfurt.

Musikalisch gestaltete die Schulband der Fachakademie unter Leitung von Petra Stein den Festakt. Ein besonderer Höhepunkt war eine eigene, neu vertextete und arrangierte Version des Klassikers „Chicago“, vorgetragen von Lea Sophie Omotayo, Absolventin der Fachakademie.
Klare Botschaften: Haltung zeigen, Bildungsarbeit stärken
In den Grußworten waren sich die Redner*innen einig: Rassismus und Diskriminierung darf kein Raum gegeben werden! Demokratiefeindlichen Parolen und Parteien ist entschlossen entgegenzutreten. Zugleich braucht es diskriminierungssensible Bildungsarbeit, die junge Menschen zu einer klaren Haltung befähigt – zu der Überzeugung, dass Vielfalt selbstverständlich ist und dass Toleranz, Gleichberechtigung und Menschenwürde unverzichtbare Grundpfeiler unserer Gesellschaft darstellen – im zwischenmenschlichen Zusammenleben ebenso wie im politischen Handeln.
Schulleiter Benjamin M. Groß griff diese Perspektive in seiner Andacht zur Tageslosung auf und ergänzte sie um ein befreiungstheologisches Bild: einen Gott, der kompromisslos Partei für Menschen ergreift, deren Würde verletzt wurde, und der aus schuldhaften Verstrickungen befreit. In Anlehnung an Desmond Tutu betonte er, dass Versöhnung Wahrheit voraussetzt – und damit auch Fachwissen, eine klare Sprache und eine reflektierte Haltung.
Offizielle Aufnahme ins Netzwerk
Im Festakt erfolgte die Übergabe der Beitrittsurkunde und des Courage-Schildes durch Luca Häusler, Vorsitzender des Stadtjugendrings, begleitet von Charlotte Benedict und Lea Hattenbach in ihrer Funktion als Regionalkoordination von „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Häusler hob hervor, dass die Fachakademie die siebte Schule in Schweinfurt ist, die dem Netzwerk beitritt – und damit auf ein tragfähiges Netz an Mitgliedsschulen zählen kann, das Austausch, Unterstützung und gemeinsame Projekte ermöglicht.

Der Weg zum Beitritt: Initiative, Projekte, Qualifizierung
Die Initiative für den Beitritt ging 2024 maßgeblich von der Schülermitverantwortung (SMV) aus und fand breite Unterstützung in der Schulgemeinschaft. Das Initiativteam im Kollegium bilden die Künstlerin Hille Reick, der Musiker Adrian Hommel sowie die Psychologin und Pädagogin Petra Stein.
In mehreren Projekttagen und Aktionen setzten sich Studierende und Dozent*innen intensiv mit demokratischen Werten, Kinderrechten und Formen von Diskriminierung auseinander. Dazu gehörten unter anderem Beiträge zum Red-Hand-Day gegen Kindersoldaten, die aktive Teilnahme an „One Billion Rising“ sowie ein interdisziplinärer Aktionstag gegen Rassismus, der Arbeiten aus Kunst, Musik und Politik zusammenführte.
Auch das Kollegium stärkte seine Handlungssicherheit in der antirassistischen Bildungsarbeit: Im Rahmen eines Pädagogischen Studientags arbeiteten die Dozent*innen vertieft zum Anti-Bias-Ansatz. Unter Leitung von Priscilla Hirschhausen erlebten sie einen Tag mit fachlichen Impulsen, persönlicher Reflexion und praxisnahen Übungen.
Auftrag und Profil der Fachakademie
Die Fachakademie bildet rund 250 Studierende aus, die nach erfolgreichem Abschluss als Erzieher*innen in Kindertagesstätten, Horten, Einrichtungen der Jugendhilfe und vielen weiteren Praxisfeldern in Stadt und Landkreis Schweinfurt tätig werden. Gerade diese Arbeitsfelder sind in besonderer Weise geprägt von Fragen der Integration, kulturellen Vielfalt und eines vorurteilsbewussten, respektvollen Umgangs.
Vor diesem Hintergrund hat die Fachakademie ihr interkulturelles Profil strukturell geschärft: Im Unterrichtsfach „Politik und Gesellschaft“ sind Projekte zu Demokratiebildung, Kinderrechten und Anti-Diskriminierung fest verankert. In jedem Ausbildungsjahr können Studierende zudem ein Übungsfach zur interkulturellen Kompetenz wählen. Auch in den Fächern Theologie/Religionspädagogik sowie Literatur- und Medienpädagogik wurden zeitliche und curriculare Ressourcen geschaffen, um interkulturelle und interreligiöse Schwerpunkte vertieft zu bearbeiten.

Startpunkt für Kooperationen im Sozialraum
Nach dem offiziellen Teil kamen die Gäste zu einem Vernetzungstreffen zusammen, um künftige Kooperationen zwischen Schule, Jugendhilfe, Integrationsarbeit und zivilgesellschaftlichen Initiativen weiter zu vertiefen. Das Interesse der Studierendenschaft war dabei deutlich spürbar: Es entstanden zahlreiche Anknüpfungspunkte, Projektideen und erste Verabredungen. So wurde der Beitritt zu „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ nicht nur ein symbolischer Schritt, sondern der Auftakt zu einer umfassenden Kooperation im Sozialraum von Stadt und Landkreis Schweinfurt.
